Impulse für mehr Geschwindigkeit in IT-Prozessen


Autorin

Dr. Wiebke Stich 
Produktmanagement NOWIS

„Agil“ ist das neue Zauberwort, wenn es um Unternehmen und Prozesse geht. Auch im Zuge der Digitalisierung gibt es immer neue Ansätze, um Unternehmens-IT schneller und, ja genau: agiler zu gestalten. Gemeint ist aber nicht die reine Geschwindigkeit, sondern vielmehr die Fähigkeit von Systemen, sich mit möglichst wenig Aufwand an wechselnde und neue Gegebenheiten anzupassen. Voraussetzung dafür ist oftmals die Automatisierung und Standardisierung der IT-Systeme und Prozesse. Eine weitere wichtige Stellschraube, um die Effizienz der IT zu erhöhen, ist aber die Zusammenarbeit zwischen ganz unterschiedlichen Technologiebereichen, oder kurz: „DevOps“. Dieses neue Schlag- und Kunstwort setzt sich zusammen aus den Begriffen „Development“ und „Operations“ und bezeichnet damit die stärkere Verknüpfung zwischen der Entwicklung und dem IT-Betrieb.

Drahtseilakt zwischen Stabilität und Flexibilität

Genau das stellt aber eine Gratwanderung dar: Einerseits soll der Betrieb möglichst zuverlässig und stabil, also geräuschlos und unsichtbar laufen. Andererseits nehmen im Rahmen der Digitalisierung die Erwartungen an neue Anwendungen und an Anforderungen von Bereitstellung-Zeiten und -Qualität deutlich zu. DevOps sollen diese Lücke schließen, indem Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb zunehmend zusammenarbeiten. Damit ist der DevOps-Ansatz viel mehr als nur ein technologisches und organisatorisches Konzept, wie beispielsweise die agile Softwareentwicklung: Denn er greift direkt in die Unternehmenskultur ein. 

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Teams ist das, was den Ansatz ausmacht und was durch entsprechende Rahmenbedingungen wie geeignete Räumlichkeiten, Kollaborationstools und Verantwortlichkeiten ermöglicht werden sollte.

Was diese Teams tun

Im Grundsatz geht es bei DevOps also darum, dass diese neu aufgestellten Teams stärker in den IT-Betrieb integriert werden, so dass auch neue Anwendungen schneller und effizienter entwickelt, getestet und in den produktiven Betrieb übernommen werden können. So werden Anwendungen nicht länger im luftleeren Raum konstruiert und entwickelt, sondern direkt auf die Anforderungen des Geschäfts und die Sicherstellung eines stabilen Betriebs abgestimmt.

Darüber hinaus stellen die Mitarbeiter dieser Teams die Lösung von Herausforderungen und die weitere Optimierung von Abläufen in den Fokus ihrer Arbeit und unterstützen durch die Schnittstellenfunktion die Verbesserung von Prozessen.

Nicht für jede Anwendung

Damit stellen DevOps eine Möglichkeit des Bindegliedes inmitten der oftmals genannten „IT der zwei Geschwindigkeiten“ dar: Auf der einen Seite der stabile und sichere Betrieb, auf der anderen Seite die schnelle und agile Entwicklung neuer Anwendungen. Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass sich dieses organisatorische Konzept nicht in jedem Unternehmen umsetzen lässt.

Voraussetzung ist eine ganzheitliche Kultur des Zusammenarbeitens sowie die entsprechenden Strukturen und Prozesse in der IT. DevOps führen somit oft zu einer grundlegenden Änderung der IT-Management-Strategie.


Außerdem sei erwähnt, dass dieser Ansatz auch nicht für jede Anwendung wirklich notwendig ist. Die Empfehlung lautet, im Vorfeld die bestehende IT sowie die geplanten Produktentwicklungen genauestens zu untersuchen und zu eruieren, in welchem Maße diese erweiterte Zusammenarbeit zwischen fachlicher Seite, Entwicklung und Betrieb tatsächlich gebraucht wird.

Sinn oder Unsinn?

Grundsätzlich, so zeigt die bisherige Erfahrung, schaffen DevOps-Teams durch schnellere Software-Einführungen, die raschere Behebung kritischer Fehler und ein verbessertes Management ungeplanter Aufgaben für Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung einen hohen Mehrwert. Dabei geht es nicht einfach um ein neues Etikett, sondern um den Kern dieses Schlagwort: die Zusammenarbeit.

Und gerade diese Optimierung der Zusammenarbeit zwischen allen Unternehmensbereichen und der IT ist auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für den digitalen Wandel. Je nach Unternehmensgröße betrifft dies die verschiedenen Disziplinen in der IT gleichermaßen. Wobei auch festzustellen ist, dass sich die organisatorischen Strukturen in mittelständischen Unternehmen oft deutlich von denen in Konzernen unterscheiden. Auch deshalb ist der Ansatz der DevOps nicht unbedingt eins zu eins übertragbar. Der Grundgedanke einer verbesserten Kommunikation und Interaktion ist jedoch auf jeden Fall sinnvoll und nicht an eine Unternehmensgröße gebunden.

Interessanter Ansatz! Und wie geht’s weiter?

Wenn Sie sich DevOps als spannendes Konzept für Ihr Unternehmen vorstellen können, sollten Sie sich zunächst Folgendes fragen: Passt das Konzept zu Ihrem Unternehmen? Sehen Sie eine deutliche Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Ihren IT-Teams und den Fachbereichen zu verbessern?

Sollten Sie beide Fragen mit „Ja“ beantworten, ergeben sich einzelne Aufgabenpakete, die bearbeitet werden sollten:

  • Definition der Zielsetzung und des Nutzens des Konzepts

  • Prüfung und ggf. Anpassung Ihrer Unternehmenskultur

  • Definition von Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten des DevOps-Teams

  • Identifikation von Maßnahmen zur Automatisierung von Development-, Monitoring- und Deploymentprozessen

  • Entwicklung von KPI zur Messung des Erfolgs

  • Harmonisierung mit bestehenden IT-Strukturen und -Prozessen

  • Identifikation und Auswahl geeigneter Tools zur Continuous Integration (CI) oder Continuous Delivery (CD)

Nach Umsetzung dieser Aufgaben verfügen Sie dann über DevOps-Teams, die Ihr Unternehmen, Ihre IT und das Thema Digitalisierung wirklich weiterbringen können – und über eine agile Unternehmens-IT im besten Sinne.

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